Die FeedBeat Story endet hier – Wir sagen danke!
Im Jahr 2020 haben wir die folgende Leitfrage formuliert:
Wie können wir es Künstlern und Spielstätten ermöglichen, Menschen, die nicht vor Ort sein können, als Akteure in das Live-Erlebnis einzubeziehen. Unter Berücksichtigung der Faktoren maximaler Teilhabe, Selbstbestimmung und Werthaltigkeit.
Leitfrage
Zu dieser Zeit erforderte die gesellschaftliche Situation bedingt durch die Pandemie Innovation in kürzester Zeit, um die negativen Effekte für Künstler:innen und Kulturschaffende abzuschwächen und konstruktive Perspektiven für diese stark betroffenen Gruppen zu schaffen.
Wie wäre es also wenn die Spielstätten nicht schließen müssten, sondern ihre Bühnen zu dem Publikum nach Hause bringen könnten? Wie wäre es, wenn Kulturschaffende und Publikum nicht den Verwertungslogiken der Big Tech Plattformen ausgeliefert wären sondern direkte Einnahmen generieren könnten? Wie wäre es, wenn Menschen auch über digitale Entfernungen emotional und direkt miteinander interagieren könnten?
Nutzen schaffen
Diese Fragen ließen uns nicht mehr los und nach kurzer Konzeption wurde die Umsetzung begonnen. Ohne Perfektionsstreben oder Geschäftsmodell getrieben von dem Wunsch Digitalisierung nutzbringend einzusetzen und akute Probleme schnell zu mindern.
So ist es gelungen nach nur 6 Wochen den ersten Liveeinsatz der neuen Plattform FeedBeat durchzuführen. Ein kontinentalübergreifendes Livekonzert aus einem Wohnzimmer in Krefeld und Afrika. Schon 1 Woche später dann eine interaktive Comedy Mixshow mit Fernsehreportage durch den WDR. 4 Wochen darauf ein Preis vom Kultursekretariat NRW für innovative Konzertformate. Ein starker Motivationsbooster, der es ermöglich hat Hardware für weitere Labore zu beschaffen.
Und so ging es immer weiter. Die Veranstaltungen wurden immer größer und zahlreicher. Das hat uns an Plätze geführt, die wir sonst nie erreicht hätten. Darunter bekannte Formate wie der Quatsch Comedy Club oder das Schwarze Schaf von Hans Dieter Hüsch. Wir konnten dabei viele tolle Künstler:innen und Orte kennenlernen und dazu beitragen das Bühnen bespielt und die Einnahmesituation verbessert wurde.
Aufgrund der besonderen Audioqualität wurde FeedBeat auch für Konzerte aller Größen eingesetzt. Darunter internationale Formate mit gleichzeitig Teilnehmenden aus USA, Japan und Osteuropa. Und auf einmal fanden wir uns in einer Videokonferenz mit dem Management des Rappers Kontra K wieder. Auch regionale Formate, wie interaktive Zooführungen und die Automatisierung hybrider Bühnen haben neue Potentiale aufgezeigt und uns viel Freude gemacht.
Institutionen wie das Kulturforum Trier, nutzen FeedBeat bis heute regelmäßig. Sogar im schulischen Bereich wurde FeedBeat mit großem Erfolg eingesetzt, um hybriden Unterricht zu ermöglichen und nicht-mobile Schüler:innen am Unterricht teilhaben zu lassen.
Auch im geschäftlichen Bereich kann FeedBeat auch heute noch seine Stärken zeigen. Beispielsweise auf internationalen Entwicklerkonferenzen, wie der JAX Mainz/München oder DevOpsCon Berlin. Die deutsche reiterliche Vereinigung nutzt das System regelmäßig für hybride Trainingsveranstaltungen aus Reithallen im ganzen Land.
Während der gesamten Zeit und in über 1000 Veranstaltungen wurde die Software immer weiter entwickelt und passgenau an die Bedürfnisse der Nutzenden angepasst. Zuletzt wurde eine Einlasskontrolle mit Individualtickets und ein eigenes CDN für sehr große Veranstaltungen geschaffen.
So ist inzwischen eine umfassende Plattform für hybride Bühnenveranstaltungen entstanden. Wir nennen das Stage Performance Platform. Wohl die einzige, die speziell auf diese Anwendungsfälle abgestimmt ist.
Fairness und Souveränität
Ausgezeichnet mit dem Fair Digital Premium Siegel steht FeedBeat für zeitgemäße, nutzenorientierte Digitalisierung und digitale Souveränität.
Die Plattform kann zu 100% kostenlos genutzt werden. Direkte Vergütungsfunktionen zwischen Rezipienten und Akteuren ermöglichen neue Einnahmequellen für Akteure und Veranstaltende. Durch eine spendenbasierte Finanzierung es bisher gelungen einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten.
Bis jetzt.
Ein Fazit
Vieles ist gelungen und dafür sind wir sehr dankbar. Neben unzähligen begeisterten Menschen und der Gewissheit zur richtigen Zeit das Richtige getan zu haben, bleibt die tiefe Erfahrung darüber wie sich digitale Lösungen in kürzester Zeit mit hoher Relevanz realisieren lassen. Ein Wissen das wir an Interessierte in der Beratung oder auf Konferenzen weitergeben.
Vieles was wir getan haben ist sehr progressiv und ungewöhnlich. Ein Beispiel dafür sind sogenannte Experivents (Experiment + Event), Reallabore mit ungeahnter Erkenntnisdichte. Kombiniert mit einer modernen und modularen Systemarchitektur, die Veränderung zulässt, entsteht ein Rahmen für Innovation in kürzester Zeit.
Das Wissen über adaptive und sozio-technische Lösungsentwicklung wird in Zeiten von zunehmendem Veränderungsdruck und digitaler Souveränität immer wichtiger. Wir haben es gemacht und können das Gelernte auf neue Fragestellungen übertragen.
Was wir uns gewünscht hätten
Einige Wünsche bleiben unerfüllt. So ist es nicht gelungen Veranstaltende für den Aspekt der Teilhabe zu gewinnen. Nachdem die Bühnen wieder offen sind, bleiben Menschen, die nicht vor Ort dabei sein können oder wollen, erneut außen vor. Die kurzzeitige Veränderungsbereitschaft ist dem Gewohnten gewichen, was in der geringen Nachfrage nach hybriden Veranstaltungen im Kulturbereich sichtbar wird. Darin ist eine gewisse Tragik erkennbar, da viele Kulturbetriebe eigentlich nach neuen Formen der Publikumsansprache suchen, um den demografischen Rückgang zu kompensieren und neue Zielgruppen zu erreichen.
Es ist nicht gelungen nachhaltige Unterstützung zu gewinnen, beispielsweise um Marketing und Vertrieb zu organisieren. So bleibt eine starke Plattform wenig bekannt und erreicht keine kontinuierliche Finanzierung.
Förderprogramme können nicht genutzt werden, da bereits begonnene Initiativen kaum gefördert werden und Skalierung so nicht erfolgen kann. Irritierend, da es intuitiv sinnvoll erscheint Systeme zu fördern, die Machbarkeit und Nutzen bereits unter Beweis gestellt haben und konkreten Nutzen schaffen.
Der Antragsaufwand ist oft erheblich ohne die Bewilligungskriterien genau zu kennen, so das das unser Interesse an Förderprogrammen zurückgeht und Förderung so nicht in Anspruch genommen werden kann.
Investoren- und datengetriebene Geschäftsmodelle kamen für uns nie in Frage, da sie nicht unseren ethischen Vorstellungen einer fairen Digitalisierung entsprechen.
Ausblick
Digitale Produkte sind nie fertig sondern müssen immer wieder an wechselnde Rahmenbedingungen angepasst werden. Das bindet Kapazitäten, beispielsweise für Weiterentwicklung, Wartung und Betrieb, die nicht für andere Aufgaben eingesetzt werden können. Auch Server kosten Geld.
Bisher konnten wir den Betrieb durch Spenden und Nutzungseinnahmen sichern. Es ist nicht erkennbar, das dies in diesem Jahr gelingt.
Daher werden wir den Betrieb zum Ende 2025 einstellen. Das machen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits heißt es loslassen eines digitalen Produktes mit viel Potential, das vielen Menschen Freude bereitet und in das wir sehr viel Arbeit und Leidenschaft investiert haben. Andererseits schafft es Freiraum für neue Ideen und Projekte.
Und wer weiß, vielleicht ändern sich die Rahmenbedingungen und es eröffnen sich neue Perspektiven. Die Plattform ist Open Source unter https://feedbeat.org verfügbar und kann weitergeführt werden, falls sich Unterstützer:innen für diese Idee finden.
Wir danken allen, die uns auf dieser spannenden Reise begleitet haben. Ganz besonders denen, die uns motiviert, inspiriert und aktiv unterstützt haben.
👏👏👏
* Die Katze aus dem Headerbild ist übrigens die FeedBeat Katze. Eine Idee, die wir mal für eine Postkarten Marketingaktion hatten. Irgendwie war ich der einzige, der das gut fand, so das sie keine große Verbreitung gefunden hat. 😂


